Insolvenz - AUS für Unternehmen?

Falls ein Unternehmen in eine finanzielle Schieflage gerät und es in der Folge zur Insolvenzeröffnung kommt, ist es keineswegs so, dass dies das unternehmerische Aus bedeuten muss. 

 

Bereits mit dem Insolvenzrechtsänderungsgesetz 1982 kam es zu einem Paradigmenwechsel, da es bereits damals ein zentrales Anliegen des Gesetzgebers war, die Wertzerstörung durch konkursmäßige Liquidation von Unternehmen zu verhindern. In den nachfolgenden Novellen wurde dieser Grundsatz noch ausgeformt und zuletzt mit dem Insolvenzrechtsänderungsgesetz 2010 präzisiert.

 

Nunmehr ist die Gesetzeslage so, dass der Insolvenzverwalter – falls die Fortführung des schuldnerischen Unternehmens nicht mit einer Erhöhung des Ausfalls für die Insolvenzgläubiger verbunden ist – das Unternehmen zunächst bis zur Berichtstagsatzung fortzuführen hat, die längstens binnen 90 Tagen nach Insolvenzeröffnung stattfindet.
Falls in der Berichtstagsatzung die Fortführung des schuldnerischen Unternehmens beschlossen wird, so ist letztlich, falls der Insolvenzverwalter diesbezügliche Anträge stellt, eine Fortführung für die Dauer von insgesamt drei Jahren möglich. Diese drei Jahre sollten aber auch in schwierigen Fällen genügen, um das Unternehmen entweder zu sanieren oder das endgültige Aus zu besiegeln.

 

Wie bereits erwähnt, ist das schuldnerische Unternehmen fortzuführen, wenn nicht mit einer Erhöhung des Ausfalls für die Insolvenzgläubiger zu rechnen ist. Dies bedeutet, dass der Insolvenzverwalter im Rahmen der ihn treffenden Prüfpflicht unverzüglich, wie es im Gesetz heißt, zu prüfen hat, ob bei Fortführung des Unternehmens mit einer Erhöhung des Ausfalls zu rechnen ist.

Dies wird in der Regel so festgestellt, dass die mit der Fortführung verbundenen Einnahmen und Ausgaben auf Monatsbasis, manchmal sogar auf Wochenbasis, ermittelt und gegenübergestellt werden. Auch wenn bei einer solchen Berechnung ein Fortführungsverlust zu erwarten sind, bedeutet dies jedoch nicht, dass eine solche Fortführung für die Insolvenzgläubiger im Ergebnis nicht doch vorteilhaft ist. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn durch die Unternehmensfortführung verhindert wird, dass der Wert der Insolvenzmasse dramatisch sinkt und sohin im Falle einer Veräußerung nicht mehr zu sogenannten Going-Concern-Werten, sondern lediglich zu Liquidationswerten verkauft werden kann.

 

Letztlich soll die Unternehmensfortführung die Sanierung eines Unternehmens erleichtern, sei es im Rahmen eines Sanierungsplans oder auch im Wege einer sogenannten übertragenden Sanierung, d.h. durch Weiterführung des schuldnerischen Geschäftsbetriebes durch ein Auffangunternehmen. Ziel dieser Bemühungen ist es, einerseits für die Insolvenzgläubiger ein möglichst gutes Quotenergebnis zu erzielen und andererseits durch die Weiterführung des schuldnerischen Betriebes die Arbeitsplätze der Mitarbeiter abzusichern.